St. Marien Kapelle


Die erste urkundliche Erwähnung der Waltringer Kapelle ist in einem Schriftstück vom 5. Juli 1693 belegt, dass der Notarius Schnell im Beisein ehrsamer Bürger aufsetzte und beglaubigt hat. Demnach gab es die Waltringer Kapelle schon seit 24 Jahren, d.h. seit 1669. 

 

Diese erste "St.-Marien-Kapelle" stand seinerzeit bereits auf dem heutigen Grundstück Ecke Talstraße/Wickeder Straße, das damals im Besitz der Familie Severin war, und hatte einen bescheidenen Grundriss von nur 4,67 auf 3,66 Metern. Sie diente so den Gläubigen bis 1854.

Erste Waltringer Kapelle (rechts) von 1669
Erste Waltringer Kapelle (rechts) von 1669

Mit der gewachsenen Bevölkerungszahl auf 360 Personen im Jahr 1851 war natürlich der Kirchenraum des „Kapellchens“ zur Erfüllung der kath. Sonntagspflicht viel zu klein geworden. Die Errichtung eines größeren Gotteshauses wurde ergo beschlossen. Der Neubau begann 1854 auf dem Hof des Bauern Caspar Voss und die Einweihung vollzog Landdechant Nübel am 13. April 1854.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, im April 1945, zerstörte ein Artillerieangriff nicht nur zahlreiche Waltringer Wohnhäuser, sondern auch einen Großteil der St. Marien Kapelle. Die anschließenden notdürftigen Reparaturen der Westwand und der Fenster sowie des Innenraumes waren eine Übergangslösung. 

 

Nachdem man 1950 in Waltringen erkannt hatte, dass es sich nicht mehr lohnt, die vorhandene Kapelle zu renovieren, wurde 1953 mit dem Neubau der jetzigen Kapelle begonnen. Der Neubau wurde nach Plänen von Regierungsbaurat Dambleff, Architekt Wilhelm Lutter und durch die Baufirma Bernhard Lutter errichtet, mit der stattlichen Abmessung 26 x 10,50 Meter. Das Gebäude steht auf dem kostenlos zur Verfügung gestellten Grund und Boden  der Bauern Theodor Tillmann und Bernhard Luig-Peters. In den Neubau miteinbezogen wurde ein Jugendheim unter dem Chorraum. Am 23. August 1953  fanden die feierlichen Grundsteinlegung und das Richtfest für die neue Kapelle statt. Die Grundsteinlegung nahm Herr Dechant Berges aus Niederense unter großer Beteiligung der Waltringer Einwohner vor. Nach der kirchlichen Feier fand ein gemütliches Beisammensein in der Schützenhalle statt. Es wurden 5000,- DM gespendet.

 

Am 12. Dezember 1954, dem Sonntag „Laudate“, nahm Weihbischof Dr. Tuschen die feierliche Weihe der neuen Kapelle vor. Pfarrer der Gemeinde war zu der Zeit Johannes Hayn. An diesem Sonntag standen zwei Kapellen in Waltringen. Die alte Kapelle auf dem Grundstück des heutigen Ehrenmales und dicht daneben die neue. Um 7:30 Uhr wurde in der alten Kapelle die heilige Messe mit Generalkommunion gefeiert. Um 10:00 Uhr begann die Einweihungsfeier. Das Hochamt zelebrierte Dr. Tuschen. Dann  folgte die eucharistische Prozession, bei der das Allerheiligste von der alten in die neue Kapelle getragen wurde. Das Gotteshaus wurde unter der Beteiligung aller Waltringer erbaut, zu einem Preis von 100.000,- DM. Am Tag der Einweihung endet auch das eucharistisch-marianische Jahr, sowie die religiöse Woche. 

 

Nach dem Abbruch der zweiten Kapelle 1955, überließ man den Altar und die Kommunionbank der Pfarrgemeinde Hemmerde für ihre neue Kapelle in Lünern/Lenningsen.

1955 - Zweite und dritte Waltringer Kapelle
1955 - Zweite und dritte Waltringer Kapelle

Bis 1963  wurde der Gesang vom Organisten auf einem Harmonium begleitet. Am 22. Dezember 1963 wurde in einer feierlichen  Festandacht die neue Orgel eingeweiht. Die Firma Stockmann aus Werl hatte sie mit  13 Registern  gebaut, zu einem Preis von 3300,- DM.

 

Am 28. Juli 1968 feierte Franziskanerpater Franz Richardt sein Primizamt in der Kapelle. Die Priesterweihe hatte er am 23. Juli in Paderborn empfangen. Pater Franz stammt gebürtig aus Struth/Eisenfeld aus der ehemaligen DDR und weilte in den Ferien bei der Familie Brunnberg in Waltringen.

 

Am 18. Oktober 1969 feierte die Kapellengemeinde ihren 300-jährigen Geburtstag in einem überfüllten Gotteshaus. Es fanden nicht alle geladenen Gäste Platz in der Kapelle.

 

Bis 1970 wurden die Glocken manuell geläutet. Zum Osterfest wurde das Geläut durch eine Spende elektrifiziert, ebenso wurde die wasserdurchlässige Bruchsteinwand im Chorraum der Kapelle abgedichtet. 1973 wurde der Innenanstrich erneuert und es wurden neue Sitzbänke angeschafft.

 

Eine größere Baumaßnahme musste 1980 durchgeführt werden: Die Kapelle musste außen und innen komplett renoviert werden. Im Einzelnen waren es folgende Arbeiten: Teilerneuerung des Außenputzes, u.a. am Turm, neuer Außenanstrich, Erneuerung der Dachrinnen und der Fallrohre, Reparatur und teilweise Erneuerung der Fenster, Verkleidung der Chorraumrückwand mit Gipskartonplatten und Neuanstrich des Chorraumes. Die kalkulierten Kosten beliefen sich auf 57.000,- DM, die mit 75% Steuermitteln bezuschusst wurden. Somit konnten die Waltringer, dank Ihrer Eigenmittel, die ganze Kapelle von innen neu anstreichen lassen. Außerdem war es dank der Gemeinde Ense möglich, den Vorplatz der Kapelle zu gestalten. Nachdem die Gemeinde Ense den Durchfahrtsweg zur Kapelle verbreitert hatte, erhielt dieser, wie auch der Kapellenvorplatz, eine Befestigung durch Verbundsteinpflaster. Gleichzeitig wurde auch das Ehrenmal neu gestaltet.

1982 erhielt die Kapelle neue Glocken und 1986 eine komplette neue Gasheizung, da die alten Elektroöfen nicht mehr reparabel und außerdem in der Betreibung zu kostenintensiv waren.

 

Zum 300-jährigen Jubiläum der Schützenbruderschaft St. Marien Waltringen stand 1990 eine weitere große Baumaßnahme an. Die Kapelle erhielt  einen kompletten neuen Innenanstrich. Der Kirchenmaler Heisel aus Herne gab dem Innenraum ein ganz neues Gesicht durch aufgemalte Quadersteine an Pfeilern, Fenstern und Chorraumübergang. Auf dem Dachboden wurde die Marienfigur aus der ersten Kapelle wiedergefunden und durch Maler Hötzel restauriert und neu bemalt. Sie ist in einer Wandnische am Emporenaufgang aufgestellt.

 

1995 wurde die Herz-Jesu-Statue auch aus der Vorgängerkapelle in der alten Schule, jetzt Wohnhaus Becker, wiederentdeckt und durch Lothar Höhne aus Höingen restauriert. 1997 wurde der Außenbereich auf dem neuesten Stand gebracht. Der Weg rund um unsere Kapelle wurde gepflastert und der marode Jägerzaun durch einen neuen Holzzaun ersetzt, was durch die Firma Severin finanziert worden ist.

 

Die letzte große Baumaßnahme war im Jahr 2003: Die Kapelle erhielt einen kompletten neuen Außenanstrich mit Außenputzsanierung. Die Dachrinnen wurden erneuert, das Turmdach wurde neu verschiefert. Das Dach über der Sakristei und dem Chorraum wurde neu eingedeckt. Außerdem wurde die unansehnliche Eternitfassade an der Westseite abgerissen und durch Verputz ersetzt. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 110.000,- €. 

Im Jahre 2014 wurde am 17. August das 60-jährige Jubiläum der Kirchweihe der St. Marien Kapelle gefeiert. Dieser Jubeltag begann morgens mit einem Festhochamt, zelebriert von Pastor Franz Forthaus, dem unter anderem die Fahnenabordnungen der Schützen und der Avantgarde den würdigen Rahmen verliehen. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von den Männern und Frauen der beiden Waltringer Chöre, MGV Eintracht und Frauenchor Musica.

Besonderer Dank galt den guten Seelen der Kapellengemeinde den beiden Küsterinnen Liesel Diemel und Resi Schriek. Seit neun Jahren kümmern sie sich um die Gewänder der Geistlichen und der Messdiener, sorgen für Blumenschmuck in der Kapelle und vieles mehr. Ebenfalls neun Jahre dabei ist das Putzteam Gerold und Ute Wittkamp. Elmar Dülberg ist seit fast 30 Jahren der Organist der Marienkapelle. Als Besonderheit konnten die Festgäste maßstäbliche Nachbauten der Kapellen von 1669 und 1854 bewundern, die von den Gebr. Severin und Franz Horenkamp gebaut worden waren.

 

So kann man zum Abschluss betonen, dass in der nunmehr über 350-jährigen Geschichte der St. Marien Kapelle die Waltringer Bürger sich immer mit starkem Engagement für die Erhaltung  ihres Gotteshauses eingesetzt haben, egal in welchem Zustand es sich befunden hat. Möge dieses auch für die Generationen der  Zukunft eine Verpflichtung sein.